HISTORY

Seit 1989

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Vereinsgeschichte

Es gibt bereits Kontakt- und Anlaufstellen, Fixerstuben, Arud, Yucca, Speak-Out, Eltern drogenabhängiger Kinder, Arche und das Sprungbrett, um nur einige Institutionen zu nennen – braucht es dazu noch eine Methadon-Selbsthilfegruppe? Bei der Gründung vor etlichen Jahren war die drogenpolitische Situation ganz anders. Eine offene Drogenszene und wenige Hilfsangebote waren das Faktum. Das war denn auch der Nährboden, auf dem unsere Gruppe gedieh. Obwohl sich das Angebot auf der Helferseite stark vergrössert und verbessert hat, sind einige Lücken geblieben. In einer davon hat sich der Verein Methadon-Selbsthilfegruppe angesiedelt.

Die Methadon-Selbsthilfegruppe wurde Ende 1989 von 4 Leuten gegründet. Am Anfang führten wir neben unseren wöchentlichen Freitagstreffen in der Gassenküche (Gakü) Telefonberatungen zum Thema Methadon durch. Wir sassen dazu jeweils dienstags und donnerstags mittags in den Räumlichkeiten der Zürcher Aids Prävention (ZAP). Allerdings schrillte das Phone nur selten. Da die nötige Akzeptanz auch nach rund zwei Jahren immer noch fehlte, stellten wir diesen Dienst in der Folge mindestens teilweise ein und gaben nur noch während unseren wöchentlichen Sitzungen in der Gakü am Telefon Auskunft.

Von den vier Hauptgründungsmitgliedern traten mit einer Ausnahme alle bis 1993 aus der Gruppe aus. Dieser eine (Thomas) verfügte über eine Sozialausbildung, war selber nicht Methadonbezüger und begleitete die Gruppe bis Anfang 1994 weiter, wobei er 1 Jahr lang Kassier war. Anfang 1990 traten H. und M. der Gruppe bei. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Gruppe eher aus einem losen Zusammenhalt. Bezügerinnen und Bezüger kamen und gingen, jeder nach seinem Gutdünken und seiner aktuellen Verfassung. Mit einer handvoll Ausnahmen, die immer mehr den harten Kern der Gruppe bildeten. In diesem Zeitraum besuchte auch Thomas die Gruppe nur selten.

Mitte Juli 1991 besuchten uns (im Rahmen eines Projektes der Gassa Nostra) die Junkibonds aus Rotterdam, Essen, Köln und Bonn. Es wurde ein informatives, fröhliches Treffen, und wir hofften auf ein Wiedersehen. Einer von ihnen, Nico, ist uns noch deutlich in Erinnerung. Nico (Adriaans) gehörte in späteren Jahren in Holland zu den Anhängern des Entzugs mit Ibogain, tauchte dort oft in den Medien auf, ist aber leider vor einigen Jahren an Aids gestorben. Wir mussten die traurige Nachricht aus dem Web erfahren

 Im Oktober 1991 veranstaltete M. mit der Mithilfe der Gruppe sein Abschiedsfest aus dem Drop-in in der Gassenküche. W. war einige Monate zuvor der Gruppe beigetreten und wurde festes Mitglied. Das Fest wurde ein voller Erfolg, nicht zuletzt, weil einige neue Mitglieder der Gruppe beitraten. Gemeinsam gingen wir 1 Monat später Fondü essen, wobei sich in der Folge drei neue Methadonbezüger als Mitglieder dazugesellten.

Anfangs März 1992 wurde die Gruppe eingeladen, an einer Podiumsdiskussion im Limmathaus teilzunehmen. Dabei nahmen auch Ärzte mit Methadonabgabe-Erfahrung teil. So z.B.: Dr. André Seidenberg und Dr. Bossey. Eine weitere Podiumssitzung fand einen Monat später in der Aula der UNI statt. Mit der Zeit kamen wir zur Überzeugung, dass es das Beste ist, uns in einem Verein zu organisieren und gründeten somit den Verein Methadon-Selbsthilfegruppe Zürich. Als unsere lose Gruppierung am 1. Mai 1992 also aus politisch-technischen Gründen zum Verein mutierte, brauchten wir logischerweise statutengemäss einen Präsidenten. Einstimmig haben wir uns damals für H. entschieden, der damit für alle geleisteten Dienste der Gründungszeiten belohnt wurde. Um mehr Zeit für seine neue Freundin und deren Kinder zu haben, hat er uns aber im Sommer 1996 plötzlich verlassen. Er ist uns aber ein guter Freund geblieben.

Im Juni 1992 überredete uns ein Journalist der Schweizerfamilie, uns für ihr Dreigroschenblatt porträtieren zu lassen. Wir willigten ein. In der Folge erschienen zwei Artikel. 1995 machte uns die Zagjp das Angebot, an ihrem Gassencafe Igematz an der Mattengasse 9 mitzuarbeiten. Begeistert sagten wir zu. In der Folge führten wir das Cafe jeweils Donnerstag von 14 – 18 Uhr. Nach rund Monaten mussten wir aber leider feststellen, dass diese Arbeit unser Team überforderte. Diese Erfahrung lehrte uns, dass nicht alles, wovon wir träumen, auch machbar ist. Gründe hierfür – bezogen auf die Jahre 1993/94 – waren z.B. die diversen Krankenhausaufenthalte verschiedener unserer Mitglieder und der Tod von Moni, der uns allen sehr nahe ging. – Neben dem Tod von Moni prägte der Jahresbericht 1994 die Mitte Neunziger. Wir merkten, dass wir nur mit viel Disziplin unsere Ziele erreichen werden.

 

Am 16.5.1997 war Patrick Zobrist, Sekretär des Aidspfarramtes, der heutigen hiv-Seelsorge Zürich, auf Besuch. Zuvor hatten uns auch mal wegen einer Diplomarbeit zu Selbsthilfegruppen Hans-Peter Müller und Frau Galli besucht. Ferner besuchte uns Anita-Bernhard von der Publikation  „Sugarless“, die in der Folge einen sehr guten Artikel verfasste.

Zum 10-Jahr-Jubiläum des Aidspfarramtes (1997), unseres verdankenswerten Hauptsponsors, hat die Sozialpädagogin Madeleine Lutz eine Fotoausstellung mit dem Titel „Positiv betrachtet“ mit HIV-/Aids-Betroffenen organisiert. Dabei haben auch Mitglieder unseres Vereins mitgewirkt. Zu sehen gab es Schwarzweiss-Fotografien, die zusammen mit Texten zum Nachdenken einluden. Da auch Tele-Züri darüber berichtete, zählte man während der 10 Tage der Ausstellung insgesamt einige hundert Besucher.

Anlässlich der  von reaktionären Kreisen lancierten Initiative „Jugend ohne Drogen“, die auch die Methadonabgabe in der heutigen Form gefährdete, machten wir uns für ein Nein stark. Wir waren nicht nur in unserem privaten Umfeld aktiv, sondern schrieben auch ausgewählte Kontaktadressen an. So baten wir zum Beispiel mit Erfolg die Kontakt- und Anlaufstellen, ein von uns verfasstes Flugblatt aufzuhängen, das ihre Klientel aufforderte, ein entschlossenes Nein bei der Abstimmung in die Urne zu werfen. So leisteten wir auch unseren Beitrag, dass die Initiative Ende 1997 schlussendlich mit rund 70 zu 30 Prozent bachab geschickt wurde. Bei der später folgenden Abstimmung über die „Droleg“-Initiative, dem liberalen Gegenstück, wo wir mit ähnlichem Einsatz für ein Ja plädiert hatten, standen wir aber auf der Verliererseite.

Auf Weihnachten 1997 hin verschickten wir an ausgewählte Kontakte Teddy-Bären, die wir liebevoll „Methi-Bärchen“ nannten. Eine Bekannte eines Gruppenmitgliedes hatte diese für uns angefertigt. – 9 Monate später, am 25.9.1998, waren wir bei Radio Lora in der Sendung „Orbit“ mit unseren Anliegen und unseren Lieblingssongs zu Gast. Wer sich unseren Auftritt vor dem Mikrophon anhören will, kann eine CD der Sendung für 10 Fr pro Stück beziehen („Shop“). Um unser Engagement und Involvement in die Geschicke der Gakü vermehrt zu manifestieren, kochten wir jeweils am Stephanstag 2001 und 2002 für die Benützer. Am 6.4.2002 feierte die Arud Zürich auf dem Platzspitzareal ihr 10jähriges Bestehen. Wie viele andere Institutionen der Drogenarbeit wurden auch wir eingeladen und errichteten einen Infostand.

Am Scheideweg stand unsere Gruppe, als Anfang Sommer 2003 ein Irrer in seinem nicht nachzuvollziehenden Wahn unseren Schrank, in dem all unserer Unterlagen, mitunter unserer ganze Geschichte ruhte, knackte, den ganzen Inhalt ins Freie schleppte und verbrannte. Warum ihn niemand von den anwesenden Leuten der Gakü stoppte, verstehen wir bis heute nicht und verletzte uns damals dermassen, dass wir einen „Offenen Brief“ an die Betreiber der Gassenküche schreiben. Da in der Folge niemand der Verantwortlichen auf unser Schreiben und unser berechtigtes Anliegen einging und die Zukunft der Gakü eh auf wackligen Füssen stand, entschlossen wir uns gefrustet relativ kurzfristig, uns nach einem neuen Vereinslokal umzusehen. Wir wurden schnell fündig und zogen noch im selben Jahr im Jugendkulturhaus Dynamo ein.

Da wir mindestens einmal im Jahr völlig publikumsoffen sein wollen und die Gakü-Stephanstaganlässe aus den oben erwähnten Gründen dahin fielen, führen wir seit Januar 2005 als Ersatz rund alle 12 Monate eine Party in der „Wunderbar“ am Sihlquai im Zürcher Kreis 5 durch. Premiere feierten wir mit  „The Woodstock – Techno – Wave – Party“ (28.1.2005), darauf folgte die „Party der tanzenden Moleküle“ am 4.11.2005.  Ein weiteres wichtiges Kapitel in der  Geschichte der Methigruppe bildet nun die Aufschaltung unserer Homepage, rechtzeitig zum 100. Geburtstag von Albert Hofmann (11.1.2006).

Im Laufe von 2006 machte uns dann die oben erwähnte, neu aufgeschaltete Homepage viel Freude. Uns freute es z.B., als eine Schülerin aus Hamburg schrieb, sie habe unsere Website als Grundlage für einen Vortrag über Methadon an ihrer Schule benützt. Auch das Echo aus der Ecke der Psychotherapeuten, das wir nach einem offenen Brief erhielten, in dem wir uns gegen die geplante Beschneidung der Psychotherapien durch die Krankenkassen wehrten, werteten wir als Erfolg. Ferner nahmen wir auch im vergangenen Jahr wieder am Treffen der Selbsthilfegruppen in den Räumen der „Offenen Türe Zürich“ (OTZ) teil. Und selbstverständlich durfte auch unsere alljährliche Vereinsparty (genau genommen waren es 2006 gar zwei) in der „Wunderbar“ am Sihlquai nicht fehlen. Immer wieder lernen wir an diesen Anlässen spannende Leute kennen. Aber das Schönste war für uns alle doch wohl, dass wir 2006 einen Mitgliederzuwachs verzeichneten. Wenn wir auch – und da sind wir bei einem traurigen Thema, das uns alle sehr beschäftigte –  eines unserer Gründungsmitglieder an den Alkohol verloren. Ueberraschend kam der Tod von Häse im vergangenen September im „Sunnegge“ für keinen von uns. Weh tat es trotzdem. Häse wurde all die letzten Jahre (nicht erst als er auf dem Totenbett lag) von seinem Bruder liebevoll betreut. Auch wir versuchten seit Jahren vergeblich mit allen möglichen Tricks und Argumenten ihn von der Bierflasche wegzubringen. Wir hatten nicht den Ansatz einer Chance. Und wir mussten uns auch eingestehen, dass es schlussendlich sein Recht ist, sich auf diese Art von der Welt zu verabschieden.  Seine Asche ruht übrigens nicht auf einem Friedhof, sondern unter einem mächtigen Baum irgendwo in seinem Zürich. Klar, dass wir ihn dort oft nachdenklich besuchen.

Unsere Homepage und der Link auf der Website des Selbsthilfecenters Pro offene Türen der Schweiz hatten einige Neuanmeldungen zur Folge.

Am 27.04.2006 engagierten wir uns zum Revisionsentwurf zur Kostenübernahme für ärztliche Psychotherapie.

Im August 2008 hat sich eine deutsche Studentin gemeldet, die mit Hilfe unserer Website einen Vortrag geschrieben hat. Danke!

Wir sind schon wieder dreimal am Selbsthilfezenter-Treffen gewesen und werden weiterhin die Zusammenarbeit suchen.

Unser alljährliches Essen  ist immer wieder ein Highlight, können doch interessante Kontakte geknüpft werden, wie zum Beispiel zum neuen Seelsorger vom Aidspfarramt ZH, über welchen wir einen Artikel im Journal „Positiv“ publizieren konnten und wo wir seit längerem den Raum für unsere Treffen gratis nutzen dürfen, da im Dynamo, wo sich unser alter Raum befunden hatte, umgebaut wurde.

Im Februar 2008 kam eine Anfrage von Studenten der Uni Freiburg CH. Sie wollten eine Doktorarbeit schreiben, wo wir mit einem Interview mit unserer Gruppe vorkommen sollten. Leider wurde bis jetzt nichts daraus.

 Natürlich haben wir viele Ziele, Wünsche und Träume für die Zukunft. Unser grösster Wunsch ist, dass unser Verein noch viele neue Mitglieder gewinnt und sich ein Teil der Aufgaben auf eine neue Generation verlagert. Wir glauben, die Aufstockung der Mitgliederzahl ist real und wichtig für unser Weiterbestehen. Gleichzeitig ist aber festzuhalten, dass sich ein grosser Teil der Drogenkonsumenten gegen alles wehrt, was auch nur schon nach vorgegebenen Strukturen riecht. Umgekehrt hat eine kleine Gruppe, wie wir es sind,  den Vorteil, sehr flexibel zu sein und spontan reagieren zu können.

Da wir alle von unseren Berufen absorbiert sind, war es auch nicht mehr möglich, grössere Aktionen in Angriff zu nehmen als unsere wöchentlichen Treffen und die Unterstützung unserer Mitglieder. Dennoch war es uns möglich, wieder einen kleinen Artikel im „Positiv“ zu plazieren.

Weiterhin bemühen wir uns aber, neue Mitglieder zu finden und haben im Zuge dieser Bemühungen die Gruppentreffen auch für Angehörige und Interessierte geöffnet. Aktuelles könnt ihr  unserer Facebook Seite Methadon-Selbsthilfegruppe Zürich https://www.facebook.com/sarah.binz.1 entnehmen.

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